Pornokonsum fördert sexuelle Gewalt – online und offline Viele Kinder und Jugendliche werden schon früh mit Pornografie im Netz konfrontiert. Nicht wenige etablieren ein regelmäßiges Konsummuster mit Steigerung gewaltverherrlichender Inhalte oder Übergängen zu interaktivem Cybersex und Sexting. Dabei sind Pornos nicht harmlos. Sie prägen stark die sexuelle Lerngeschichte, Phantasien und Erwartungen und die Wahrnehmung von Mädchen/Frauen als verfügbare Sexobjekte. Zahlreiche Studien belegen: Pornokonsum gefährdet die Beziehungsfähigkeit, fördert sexuelle Gewalt und birgt ein hohes Suchtpotential.
Jugendliche bleiben als Folge einer Normalisierung des Konsums bei gleichzeitig weitverbreiteter elterlicher Sprachlosigkeit vielfach alleine mit den Dynamiken und verwirrenden Gefühlen und Botschaften der Pornografie.
Was Jugendliche deshalb brauchen, sind geschulte Erwachsene, die ihnen nicht schamverletzend und moralisierend, sondern wertschätzend und gesichtswahrend dabei helfen, das Wesen und die Wirkungen pornografischer Sexualität zu durchschauen und eine eigene Haltung dazu zu entwickeln.
„Fit for Love?“ – Kann man lieben lernen? Liebe und vertrauensvolle, tragfähige Beziehungen werden in Umfragen als höchstes Gut oder zentrales Lebensziel genannt. Aber wie kann dies gelingen? Und woran scheitert es so häufig? Was sind Voraussetzungen, um sowohl Empathie und Wertschätzung für das Gegenüber als auch Selbstvertrauen und mündige Autonomie zu kultivieren?
In der Ausbildung wird ein Verständnis von Liebe, menschenwürdiger Sexualität und sicherer Bindung und ihren Herausforderungen und Ambivalenzen in digitalen Zeiten vermittelt, um Jugendliche in ihrer Selbstfürsorge, Empathie- und Beziehungsfähigkeit zu stärken.Jugendliche werden ermutigt, einen selbstbestimmten und verantwortlichen Umgang mit ihrer Sexualität und ihren Beziehungen, auch im digitalen Raum, zu entwickeln, der gesunde Grenzen bei sich und anderen wahrnimmt und achtet.
Zielgruppe und Anwendung: Pädagogische Fachkräfte in Schule und Jugendarbeit.
Geeignet für weiterführende Schulen ab 6.Klasse bis junge Erwachsene. In Schulen, kirchliche oder offene Jugendarbeit, Wohngruppen,
Vereinen …
„Fit for Love?“ kann unser Beitrag sein in Ihrem Konzept zur Medienbildung, Suchtprävention, Sexual- und Persönlichkeitsbildung und zur Prävention von sexueller Gewalt.
Inhalte: In der zweitägigen Trainerausbildung (16 UE a 45 min) werden Theorie und Praxis der bindungsorientierten Sexualpädagogik des gleichnamigen Praxisbuchs „Fit for Love?“ vermittelt, praxisnah vertieft und eingeübt. Mit der Teilnahme wird das Zertifikat zum /zur „Fit for Love?-Trainer/in“ erworben.
Weitere Schwerpunkte der Ausbildung: – Liebe und Sexualität: Ein salutogenetisches und bindungsorientiertes Verständnis
– Digitale Lebenswelten (Social Media, Onlyfans…) und sexuelle Grenzverletzungen
– Risiko- und Schutzfaktoren sexueller Gewalt
– Jugend & Pornografie: Nutzungsmotive, Wirkungen, Entwicklungs-psychologische und sexualwissenschaftliche Aspekte – Wie entstehen süchtige oder narzisstische, missbräuchliche Dynamiken im Kontext von Sexualität und Medienkonsum? – Sexuelle Lerngeschichte und Beziehungskompetenz – was fördert oder erschwert Selbstvertrauen, positives Körpergefühl, gesunde Grenzen, Resonanzfähigkeit und vertrauensvolle Liebesbeziehungen?
– Herausforderungen und Gütekriterien für die sexualpädagogische Arbeit:
– Wie werden wir sprachfähig und können gesichtswahrend in einen Diskurs einladen, ohne Schamgefühle zu verletzen?
Mit praktischen Übungen Unter Berücksichtigung von Zielgruppe, Kontext und Bildungsbedarfen werden dann Bausteine und Unterrichtseinheiten vorgestellt und praktisch erprobt zu den Themen – Liebe, Beziehung, Sexualität
– Pornografie, Sexting und sexuelle Grenzverletzungen – Prävention von Mediensucht
Leitung und Durchführung:
Tabea Freitag Dipl. Psychologin
langjährig als Psychotherapeutin mit Schwerpunkt sexuelle Traumatisierung und Internet-Sexsucht tätig
Autorin von Fit for Love?
Das Präventionsprogramm „Fit for Love?“ wird seit 2013 angewendet und von beiden weiterentwickelt.
Ort und Zeit
Die 2-tägige Ausbildung wird zweimal jährlich in Hannover in der Fachstelle return durchgeführt. Darüberhinaus kommen wir bei Interesse auch in Ihre Einrichtung, Schule, lokales Netzwerk oder Verband. Fragen Sie uns gerne an.
Benötigte Literatur: Die Fortbildung basiert auf unserem Praxisbuch „Fit for Love? Prävention von Pornografiekonsum und sexueller Gewalt“,
geht aber in Theorie und Praxis über die Inhalte des Buches hinaus. Weitere Infos zum dazugehörigen Buch: www.fit-for-love.org
„Spannend aufbereitet, prägnant und hoch kompetent: Dieser Kurs bietet konkrete Lösungen für die am schnellsten wachsende Sucht der Gegenwart. Er gehört an jede Schule, in die Jugendarbeit und in Familien.“
Dr. Johannes Hartl (Bestsellerautor, Theologe und Philosoph)
„Ich habe schon sehr viele Fortbildungen zur Suchtprävention besucht. Noch nie war ich danach so motiviert, das Gelernte in die Praxis umzusetzen.“
Lukas Becker (Fachkraft für Suchtprävention)
„Fit for Love?“kennzeichnet einige Kernkriterien, die in anderen sexualpädagogischen Konzepten weniger oder gar nicht betont werden: Entwicklungssensibel: Wir achten besonders darauf, sexualpädagogische Themen auf das Alter der entsprechenden Zielgruppe hin zu kontextualisieren. Sensible Inhalte wie die Prävention von Pornografiekonsum und Missbrauch werden gesichtswahrend und ohne Schamgefühle zu verletzen thematisiert. Für weiterführende Schulen (ab 6.Klasse) bis junge Erwachsene.
Bindungsorientiert: Neben Lust, Neugierde, Identitätsfragen und Kinderwunsch spielen bei der Mehrzahl der Menschen in der Sexualität auch Bindungsbedürfnisse eine wesentliche Rolle. Diese werden in unserem Programm konsequent berücksichtigt. Sichere Bindungen sind zudem ein wesentlicher Schutzfaktor vor sexueller Gewalt, darum werden deren Voraussetzungen (wie Selbstwert, Autonomie, Empathie und Vertrauen/gesundes Misstrauen) gefördert.
Resilienz und Salutogenese als Grundlage und Bausteine der Prävention: Junge Menschen sind mit verschiedenen Einflüssen konfrontiert, die ihre Sexualität ungut beeinflussen können: Pornografische Darstellungen, sexuelle Belästigung im Netz, sexuelle Viktimisierung, Verletzungen und Vertrauensbrüche in romantischen Beziehungen u.v.m. „Fit for Love?“ liefert einerseits konkrete Prävention zu jedem dieser Themen als auch eine grundsätzliche Stärkung der Resilienz des jungen Menschen. Dazu gehört auch ein salutogenetisches Verständnis, was gesunde Liebesbeziehungen und Sexualität ausmacht.
Motivational: In unserem Workshop schauen wir dahinter: Was motiviert unser Verhalten? Wie entstehen gute und ungute Dynamiken im Kontext von Beziehungen, Sexualität und Medienkonsum? Junge Menschen sollen in unseren Workshops nicht nur die Sexualität, sondern auch sich selbst besser verstehen lernen.
Liebe ist mehr als Lust: Viele junge Menschen vermissen in der Sexualpädagogik die Thematisierung von Liebe, Verantwortung, Romantik, Zärtlichkeit, Beziehungskunst und Geduld. Wir geben in unserer Form der Sexualbildung der Liebeserziehung und Charakterentwicklung ausdrücklich Raum.
Entwicklungsräume in der Jugendwelt: Wer sich ausschließlich auf die Beschreibung der Jugendwelt verlässt, vergisst bisweilen den progressiven Charakter in der Sexualentwicklung. Wir adressieren junge Menschen in ihrem Bedürfnis, sich entwickeln, orientieren, abgrenzen und lernen zu dürfen – ohne gleich als sexuelle Weltmeister in die Erwachsenenwelt stolpern zu müssen.
Transparente Einladung in einen Diskurs: Wir stehen dem Phänomen Mainstream-Pornografie kritisch gegenüber. Diese kritische Position machen wir transparent, ohne junge Menschen zu manipulieren oder zu überwältigen. Wir laden sie ein, zu einer Selbstpositionierung zur Normalität der Präsenz von Pornografie und ihrer transportierten Botschaften, stereotypen Geschlechtsrollen und Gewaltverherrlichung zu finden.
»Fit for Love?« erhält Gesundheitspreis
Am 11. Februar 2014, dem „Safer Internet Day“, wurde die Fachstelle RETURN von der BARMER GEK mit dem Gesundheitspreis ausgezeichnet für „Fit for Love? – Praxisbuch zur Prävention von Internet-Pornografie-Konsum“. Heike Sander, Landesgeschäftsführerin (mehr …)
»Fit for Love?« Präventionsveranstaltungen für Jugendliche
Durchführung von Unterrichtseinheiten auch im Rahmen von Projektwochen, Konfirmandengruppen, Freizeiten etc.
Unsere Präventionsfachkräfte kommen gerne zu Ihnen. Sie erreichen sie unter der Telefonnummer 0511-48974650, ansonsten gerne auch per E-Mail.
»Fit for Love?« Schulungen für Multiplikatoren
Seminare und Vorträge für pädagogische und therapeutische Fachkräfte in Schulen, Jugendeinrichtungen und Kirchengemeinden
– Ein heisses Eisen – wie packen wir es an?
– Ausbildung zum/zur „Fit-for-Love?-Trainer/Trainerin“ für Schule und Jugendarbeit (hier finden Sie mehr Informationen)
– Eine bindungsorientierte Sexualpädagogik
– Hintergrundwissen
– Hilfen zum Umgang mit betroffenen Jugendlichen
– Veranstaltungen für Eltern
– Unsere Fortbildungen finden Sie hier
Bei Interesse an einer Fortbildung melden Sie sich bei info@return-hannover.de Tel. 0511-48974650
Rezensionen zu »Fit for Love?« – dem Praxisbuch zur Prävention von Internet-Pornografie-Konsum
Dr. Markus Spieker Fernsehjournalist und Autor
Der ideale Liebes-Ratgeber für das Zeitalter der digitalen Alles-Geht-Nichts-Bleibt-Übersexualisierung: Einfühlsam, realistisch, relevant. Ein Crash-Kurs gegen seelische Verödung und für ganzheitliche Zweisamkeit.
Dr. Johannes Hartl Theologe und Philosoph
Spannend aufbereitet, prägnant und hoch kompetent: dieser Kurs bietet konkrete Lösungen für die am schnellsten wachsende Sucht der Gegenwart. Er gehört an jede Schule, in die Jugendarbeit und in Familien.
Prof. Dr. med. Manfred Cierpka (ehem.) UniversitätsKlinikum Heidelberg
War Ärztlicher Direktor des Instituts für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie. Präventionsexperte
Der Umgang mit pornographischen Medien gehört heute direkt oder indirekt zum Alltag und zur Lebensrealität der meisten Heranwachsenden. Die Mehrzahl der männlichen Jugendlichen in Deutschland konsumiert regelmäßig Online-Pornographie, auch ein großer Teil der Mädchen hat bereits Pornos angeschaut. Während das Thema Pornographie auf dem Schulhof und im Freundeskreis der Jugendlichen längst „öffentlich“ diskutiert wird, wird es in vielen Klassenräumen und Elternhäusern weiterhin zum Privaten gezählt, als Tabuthema behandelt oder schlicht vergessen. Im Vergleich zu anderen Lebensrealitäten der heutigen Jugendlichen ist der Pornographiekonsum in pädagogischen (Präventions)programmen unterrepräsentiert oder wird im Einzelfall zum Gegenstand ideologischer Grabenkämpfe in der Sexualpädagogik.
In diesen Raum spricht „Fit for Love?“ als praxisorientiertes pädagogisches Präventionsprogramm mit psychologischer Fundierung. Mit einer klaren Haltung positioniert sich „Fit for Love?“ als beziehungsorientiertes Präventionsprogramm. Es fordert damit von den pädagogischen Fachkräften mehr als nur die „mechanische“ Durchführung der Stundenvorschläge, sondern setzt eine Auseinandersetzung der eigenen Haltung bezüglich Sexualität und Pornographie voraus. Jugendliche bekommen mit den Pädagogen einen Orientierungs- und Reibungspunkt in einer zentralen Phase ihrer Identitätsentwicklung. „Fit for Love?“ kann dabei für Lehrer und Jugendleiter ein Instrument darstellen, das den Zugang und die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit einigen zentralen Lebensthemen (Beziehung und Sexualität) fördert. Diese Auseinandersetzung soll hier bewusst nicht den Medien und Gruppenprozessen überlassen werden, sondern in einem persönlichen und beeinflussbaren Rahmen geschehen.
Anders als viele andere Präventionsprogramme ist „Fit for Love?“ dazu bewusst flexibel in der Strukturierung und im Übungsablauf gehalten. Es bietet Vorschläge zur Gestaltung von Projekttagen oder Stundeneinheiten und angemessenen Übungen für verschiedene Altersklassen. Gleichzeitig werden pädagogische Fachkräfte dazu ermutigt, die konkrete Durchführung für ihr Setting und ihre Jugendlichen passend zu gestalten. Die meisten Übungen sind interaktiv gestaltet, regen den Diskurs zwischen Jugendlichen an und arbeiten mit starken Metaphern und Bildern.
Inhaltlich wagt „Fit for Love?“ den Spagat zwischen einem (Sucht-)Präventionsprogramm und einer Anleitung der Jugendlichen in den großen entwicklungsspezifischen Fragen von Sexualität, Liebe und Beziehung. Es verhält sich nicht komplementär zur pluralisierenden Sexualpädagogik, sondern stellt diese in einigen Kernpunkten gezielt in Frage. „Fit for Love?“ bietet damit eine gelungene Ergänzung und praktische Orientierungshilfe für Pädagogen, die in Sexualpädagogik mehr als ein reines Verständnis von Verhütungsmethoden sehen.
„Fit4Love?“ setzt den sexualisierten, oft frauenverachtenden Medienbotschaften eine wertschätzende, das Selbstvertrauen und die gesunden Grenzen von Mädchen und Jungen stärkende Botschaft gegenüber.
Von „Fit4Love?“ können somit drei sehr unterschiedliche Gruppen profitieren: Erstens profitieren die Lehrkräfte bzw. Präventionsfachkräfte, weil mit diesem wissenschaftlich fundierten Material die Bearbeitung eines vermeintlichen Tabu-Themas sogar Spaß machen kann, ohne zu skandalisieren oder schamverletzend zu agieren. Neben diesem wertvollen sexualpädagogischen Beitrag, der die Fähigkeit zu lieben in den Fokus rückt, werden zugleich alle Erfordernisse einer ressourcenorientierten Prävention von Mediensucht und sexuellen Grenzverletzungen erfüllt.
Zweitens profitieren die Jugendlichen, weil sie wichtige Impulse für ein begründetes Nein zu einem Pornographiekonsum erhalten, der ihre Persönlichkeitsentwicklung stören und die Entwicklung ihrer Beziehungsfähigkeit hemmen würde.
Und drittens, obwohl diese das vielleicht gar nicht bemerken werden, können die Eltern der Jugendlichen dankbar sein: Weil die Chancen ihrer zukünftigen Enkeltöchter und Enkelsöhne steigen, als Eltern nicht triebgesteuerte Konsumsklaven, sondern empathische, verantwortungsvolle, beziehungs-, konflikt- und liebesfähige, langfristig planende Erwachsene zu haben. Und wer wünscht sich für seine Enkel nicht solche Menschen als Eltern?
Als Sexualpädagogin und Leiterin von love.li ist mir/uns die Vermittlung eines ganzheitlichen Bildes von Sexualität wichtig. Wir sehen Sexualität als eine positive Lebenskraft, die zum Menschsein gehört. Die eigene Geschlechtlichkeit anzunehmen und in das Leben zu integrieren, ist ein wesentlicher Teil des menschlichen Reifungsprozesses. Jugendliche wollen von uns Sexualpädagogen wissen, was wir denken und wie wir leben. Wenn wir uns als ReferentInnen mit unserer eigener Lebenserfahrung, mit unseren Werten und Haltungen einbringen, tun wir dies, ohne unseren eigenen Lebensentwurf absolut zu setzen. Unser Ansatz der Wertvermittlung ist die Anleitung zur Selbstreflexion, in Respekt vor dem Selbstbestimmungsrecht und der Eigenverantwortung des Menschen.
Das Thema Pornographie beschäftigt uns tagtäglich in unserer Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen. Ein durch den Konsum von Pornos verzerrtes Bild von Sexualität zu bearbeiten, ist ein wichtiges Anliegen geworden. Das Praxisbuch „Fit for love?“ ist uns daher in unserer Arbeit ein hilfreicher und wertvoller Impulsgeber und Wegbegleiter geworden, mit dem wir seit eineinhalb Jahren sehr gute Erfahrungen machen.
Betroffene und ehemalige Konsumenten
Nachdem ich „Fit4Love?“ gelesen und durchgearbeitet hatte, konnte ich keine Pornos mehr konsumieren. Ein ehemaliger junger Konsument
Wenn ich Suchtdruck habe, lese ich ein Kapitel, das hilft mir, nicht zu konsumieren. Vor allem die Bilder vom Feuer oder Pfeil und Bogen klären meinen Blick. Ein Betroffener
Zunächst ein ganz großes Kompliment meinerseits, dass Sie sich diesem schwierigen Thema stellen. Ich teile Ihre Sicht, dass die ungezügelte Freigabe von sexuellen Inhalten in den vergangenen Jahrzehnten für Kinder und Jugendliche in unserer Gesellschaft zu einem immensen Problem geworden ist. Die „Sexualisierung“ unserer Gesellschaft, vor allem die ubiquitäre Existenz des Themas Sex in Wort und Bild in allen Medien, vor allem auch im Internet, überfordert unsere Kinder und Jugendlichen total und hat fatale Folgen, die Sie in Ihrem Buch hervorragend herausarbeiten. Gerade wegen meiner Erfahrungen zum Thema Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen in Verbindung mit dem Engagement der ÄKN im Bündnis White IT, bestätige ich Ihre Analyse. Ich hoffe, dass Ihr tolles Schulungsmaterial in der Jugendarbeit erfolgreich zum Einsatz kommt und bin voller Optimismus, dass es „Fit for Love?“ gelingt, das Thema Prävention von Internetpornografie ins Bewusstsein von Eltern, Lehrkräften und Erziehenden zu bringen und damit eine wirkungsvolle Präventionsarbeit zu starten. Herzlichen Dank, dass Sie dieses Thema so gut bearbeitet haben, viel Erfolg. Ihr Dr. Gisbert Voigt
Pornos sind heute fester Bestandteil der Pubertät, insbesondere bei männlichen Jugendlichen. Liebe, Geborgenheit und Werteorientierung geraten so im Zusammenhang mit Jugendsexualität immer mehr in den Hintergrund. Das Praxisbuch „Fit for Love?“ zur Prävention von Internet-Pornografie-Konsum vermittelt zielgruppengerecht und in geeigneter Form Wissen und Erfahrungen, die problematischen Entwicklungen, z.B. suchtähnlichen Pornografiekonsumformen, vorbeugen hilft. Die notwendige Enttabuisierung dieses Themas gelingt „Fit for Love?“ insbesondere durch den Verzicht auf Verharmlosung auf der einen und Katastrophierung auf der anderen Seite. Sexualität besteht nicht nur aus Risiken und Nebenwirkungen, sondern vor allem aus großen Gefühlen.
Das Praxisbuch Fit for Love zur Prävention von Internetpornografie-Konsum von Tabea Freitag und Mitarbeitern enthält eine 60-seitige Einführung in die Thematik, 22 Bausteine für Schule und Jugendarbeit 6 Quellenarbeiten, 3 Erlebnisberichte, ein einführendes Anschreiben an Eltern, ca. 140 Literaturangaben, weiterführende Links und eine CD-ROM.
Der Untertitel „Eine bindungsorientierte Sexualpädagogik“ lässt die zugrunde liegende Philosophie der Autoren erkennen: Sexualität und Bindung gehören zusammen. (…) Fit for Love? enthält in der Einleitung einen sehr guten Überblick über die Befundlage der empirischen Forschung.
Die Bausteine sind nach meinem Eindruck sehr geschickte Anleitungen für den Einstieg in eine Gruppenarbeit mit Jugendlichen unterschiedlichen Alters oder für Pädagogen in eine Unterrichtsstunde. Auch erwachsene Patienten, die sich z.B. wegen suchtartigem Internet-Pornografiekonsum in Behandlung befinden, können von den Übungen profitieren. Die Erlebnisberichte Betroffener wirken sehr authentisch und sind deshalb zugleich berührend und hilfreich.
Die Bedeutung einer ungestörten psychosexuellen Entwicklung für die spätere psychische Gesundheit gehört eigentlich zu den Prämissen jeder therapeutischen Arbeit. Retrospektiv beobachtet man bei Patienten schädliche Effekte durch sexuelle Gewalt, durchlässige Intimitätsgrenzen und für die Entwicklungsstufe inadäquate sexuellle Erfahrungen. Ich persönlich bin überzeugt davon, dass bindungs-orientierte Sexualpädagogik einen wichtigen Beitrag zur Prävention psychischer Störungen leistet. Diese Auffassung teilt auch die Barmer GEK, die das Praxisbuch 2013 mit ihrem Gesundheitspreis ausgezeichnet hat.
Ich habe als Sexualwissenschaftler das Vorwort für das von Return gestaltete medienpädagogische Handbuch „Fit for Love“, das Lehrern und Sexualpädagogen Informationen zur Pornographie und Anregungen für die pädagogische Arbeit mit diesem Thema zur Verfügung stellt, verfasst, weil es wissenschaftlich fundierte Positionen wiedergibt, die sich kritisch und im besten Sinne aufklärend mit dem völlig neuartigen Phänomen der sowohl quantitativen wie qualitativen Flut an pornographischen Filmen auseinandersetzen: Alleine auf dem weltweit größten Internet-Portal finden sich mittlerweile fast 7 Millionen Clips und Spielfilme, die völlig ohne Überprüfung der Volljährigkeit und ohne irgendwelche Kosten rund um die Uhr abgerufen werden können.
Return hat es dabei fertig gebracht, wissenschaftliche Erkenntnisse für den Einsatz in der Sexualaufklärung für Kinder und Jugendliche so aufzubereiten, dass jederzeit die Schamgrenzen gewahrt bleiben, und gleichzeitig alle wichtigen Informationen vermittelt werden. Return leistet damit einen nicht hoch genug einzuschätzenden Beitrag für die Entwicklung hin zu einer selbstbestimmten Sexualität, die dem „stillen Erzieher“ aus dem Internet ein Gegengewicht bietet.
Besonders herausgehoben werden muss, dass es Return gelungen ist, Informationen zusammenzustellen jenseits einer Sexualpädagogik, die in Deutschland die völlige Aufhebung der Altersbeschränkung für Pornographie fordert, weil sie die aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbare Position vertritt, dass diese Filme „nur Sex“ zeigen würden, der „natürlich“ ist.
Tatsächlich zeigt selbst eine oberflächliche Analyse ein völlig anderes, ein verstörendes und inhumanes Bild. Das wird auch von den meisten Kindern und Jugendlichen so empfunden, ohne dass sie sich gleichzeitig der Faszination und der lust-pushenden Wirkung entziehen könnten. Return hat diesen Kindern und Jugendlichen mit „Fit for Love“ die Möglichkeit an die Hand gegeben, Pornographie und ihre Wirkung auf sie selbst zu verstehen und zu begreifen.
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